Die Sella ist in aller Munde! Dabei handelt es sich um einen plateauförmigen Gebirgsstock (mit mehreren Gipfeln) in den Dolomiten. Der höchste Berg der Sella, ist der Piz Boè mit 3152m.
Ursprünglich war ja die Sellaronda – also die Umrundung des Sellas, auch Sellagruppe genannt – nur den Schifahrern im Winter vorbehalten. Mittlerweile gibt es nicht nur einen markierten Rundwanderweg, sondern auch beschilderte Strecken für Rennradfahrer und Mountainbiker. Die Mountainbike-Strecken machen sich das Bergbahnennetz zu Nutze. Das bedeutet aber nicht, dass es sich um eine reine Downhill Strecke handelt! Ich berichte euch von unserem “Regenerationstag” (nach dem Stoneman Dolomiti) der uns rund um die Sellagruppe führt.
Die Strecke
Der Rundkurs führt durch mehrere bekannte Schigebiete, die sich gleichzeitig als Einstiegspunkt für die Runde anbieten, je nachdem aus welcher Himmelrichtung du anreist.
Die besten Einstiegspunkte sind:
- Wolkenstein (Heimat der Gröden Abfahrt, Unterkünfte und Hotels in Selva di Val Gardena)
- Corvara (Alta Badia, Hotels und Unterkünfte in Corvara)
- Arabba (Hotels und Unterkünfte in Arabba)
- Val di Fassa (Unterkünfte und Hotels in Campitello di Fassa)
All diese Orte kennt man normalerweise nur aus Fernsehübertragungen von Schibewerben (außer vielleicht Arabba). Grundsätzlich ist es egal wo du deine Rundfahrt beginnst. In unserem Fall bietet sich Arabba an, da wir von Cortina d’Ampezzo anreisen. Und zwar ist unser Base Camp für unsere Südtirol Woche das Parc Hotel Victoria direkt an der Fußgängerzone in Cortina d’Ampezzo. Ein sehr schönes und traditionelles Hotel mit Bar und Restaurant. Die Anfahrt dauert ca. 45 Minuten (wem das zu lange ist, sollte direkt in einem der genannten Orte übernachten). Das Parken direkt an der Gondelstation in Arabba ist an diesem Tag kostenlos.
Für die Benutzung der Liftanlagen benötigst du eine “Dolomiti Supersummer Card”, die Tageskarte bekommst du (2023) für 56,- Euro.
Es gibt 2 beschilderte Strecken, die Rote Strecke die im Uhrzeigersinn um die Sella führt und die Grüne Strecke die gegen den Uhrzeigersinn um das Massiv führt.
Grundsätzlich sind beide Stecken liftunterstützt und führen durch überwältigende Szenerien. Man muss aber wissen, dass man bei der Grünen Strecke ca. 1000hm selbst rauf kurbeln muss, bei der Roten Strecke “nur” 350hm. Weiters ist die Rote Strecke mit 62km ca. 5km länger und beinhaltet ca. 500 Tiefenmeter mehr. Wir entscheiden uns an diesem Tag für die Rote Strecke da es mehr bergab geht und weniger Wadelwatt benötigt die Grünen Strecke.
Los geht es für uns in Arabba
Die Großraumgondel fährt hier alle 20 Minuten. Am besten nach dem Ticketkauf mal schnell schauen ob du dich stressen musst. Es geht nun in der nahezu leeren Gondel, nur ein paar wenige Biker sind an diesem Tag ebenfalls auf der Route, hinauf auf die Bergstation des Portavescovo auf 2485m. Es eröffnet sich ein traumhafter Blick auf die Marmolata, den mit 3343m höchsten Gipfel der Dolomiten. Zweifelhaften Ruhm erhielt der Berg mit dem Gletschersturz 2022 bei dem zahlreiche Bergsteiger ihr Leben ließen.
Wir machen uns zügig auf den Weg zum ersten Trail auf dem Rundkurs, der Alpenrose (S1). Nach wenigen 100 Metern auf dem Zubringerweg, rauschen plötzlich Mountainbike Profis an uns vorbei – es ist ein Rennen an diesem Tag! Leider ist aus diesem Grund der Alpenrosen Trail gesperrt, wir nutzen also die Forstwege und danach die Passstraße um zum nächsten Lift zu gelangen, dem Fodom, der uns auf den Passo Pordio befördert. Hier tummeln sich, wie auf Pässen üblich, Motoradfahrer, Sportwagenbesitzer sowie einige Rennradfahrer.
Nach einem kurzen Asphalt Abschnitt, tauchen wir wieder ins Gelände ein. Diesmal auf den oberen Infinity Trail (S2) und den Rabbetrail (S1). Leider werden wir auch auf dem Rabbetrail bald mit der nächsten Sperre konfrontiert. Wir weichen auf alternative Wanderwege und abschließend auf die Passstraße aus, den unteren Infinity Trail kann heute leider nicht ohne Rückennummer befahren werden.
Von Campitello di Fassa nach Selva (Wolkenstein)
Die Route verläuft durch Canazai über den schönen Radweg nach Campitello di Fassa. Viele Touristen tummeln sich an diesem sonnigen Tag durch das nette kleine Städtchen. Bald erreichen wir die nächste Großraumgondel, die Col Rodella, die uns auf den nächsten beeindruckenden Aussichtspunkt bringt, den Col Rodella mit 2484m. Sehr beindruckend hier, mit der Langkofel Gruppe (mit Plattkofel den Plattkofeltürmen und dem Langkofel selbst ganz rechts) im Visier machen wir uns auf zur Abfahrt Richtung Wolkenstein.
Der Weg nach Wolkenstein startet gleich in den kurzen Ikarus Trail (S1) hinein. Dieser bereitet keinerlei Schwierigkeiten, im Gegenteil, der Langkofel ist zum Greifen nahe und macht die wenigen Minuten zum besonderen Erlebnis.
Es geht dann weiter zum Paravis Trail (S1). Auf dem Weg dort hin, stoßen wir wieder auf das Mountainbike Rennen welches und den ganzen Tag zu verfolgen scheint. Zum Glück gibt es diesmal keine Absperrung, und wir können in den Paravis Trail (es gibt 2 Varianten) eintauchen.
Den Abschluss dieser MTB Trail Abfahrt, macht der Family Trail (S0), ein klassischer und kinderleichter Flowtrail der uns dann bei der Talstation Plan de Gralba ausspuckt. Wir entscheiden uns dort in das Restaurant SooChic einzukehren. Die einladende Terrasse lässt uns keine andere Wahl. Beim ersten Bier und gutem Essen, genießen wir die geniale Aussicht und wärmenden Sonnenstrahlen.
Danach rollen wir gemütlich über Straßen und Güterwege nach Wolkenstein.
Von Wolkenstein nach Corvara
In Wolkenstein angekommen, haben wir leider die Abzweigung zum Costabella Sessellift versäumt und somit den Costabella Mini Trail ausgelassen. Stattdessen kurbeln wir zusätzliche 100hm hinauf direkt zur Dantercepies Gondel. Mit Blick auf den Hang der berühmten Gröden Abfahrt gelangen wir auf den gleichnamigen Berg Dantercepies auf 2286m.
Direkt an der Bergstation geht es mit den 600 Trial-Tiefenmetern am Stück los! Zunächst schlängelt sich der Cir Giara (S1) bis zum Passo Gardena, hier ist die Passstraße zu überqueren. Danach geht es weiter am Frara (S1 eher Enduro) bis nach Plans auf ca. 1600hm wo der durchgehende Trail-Spaß zu Ende geht.
Von Plans gelangt man nun über Wanderwege nach Corvara in Badia. Es ist bereits 15:00 am Nachmittag, nachdem wir nicht sicher sind wie lange wir zum letzten Lift auf unserer Rundreise benötigen, machen wir lieber keine Pause und fahren direkt zum nächsten Lift.
Von Corvara nach Arabba
Wieder liftunterstützt, geht es aufwärts! Diesmal mit der Col Alt Gondel auf 1980m und dann gleich weiter mit dem Sessellift Braira Fraida auf ca. 2030m. Es folgt nun ein teilweise steiler Anstieg auf den Pralongia auf 2109m. Das klingt nach recht wenig Höhenmetern. Es ist aber viel auf und ab und teilweise knackige Anstiege die um diese Uhrzeit schon ein wenig die Waden brennen lassen. Oben angekommen belohnt der mit Holztrassen bespickte Fle Trail bis zum Passo Incisa (T1). Danach entscheiden wir uns einen Wanderweg zu nehmen der ebenfalls mit T1 markiert ist. Richtige Entscheidung! Der Wanderweg wird zwar zum Schluss etwas bockig, aber man gelangt direkt zum Passo Compolongo wo der letzten Sessellift des Tages, der Rutort, auf uns wartet. Um 16:20 steigen wir ein – gerade noch geschafft!
Die letzte Bergstation des Tages, die Bec de Roces auf 2083m, belohnt auf der wunderschönen Sonnenterasse des gleichnamigen Refugios mit wunderbarem 360 Grad Panorama und einem kühlen Bier. Ein perfekter Abschluss des Tages bevor wir die finale Abfahrt, den Bec de Roces Trail (S2) bezwingen.
Der Bec de Roces stellt sich als würdiger Abschluss des heutigen Tages heraus. Nach knapp 270hm gibt uns der Trail wieder frei und wir landen auf einem Güterweg der dann in einen Wanderweg über geht und uns wieder unbeschadet nach Arabba führt.
Sellaronda mit MTB im Uhrzeigersinn – FAZIT
Diese Runde ist auf jeden Fall einen Tag Wert wenn du in der Gegend bist! Die Abfahrten sind sehr vielseitig, der Trailanteil ist überragend. Auch die Liftanlagen sind (bis auf die beiden Sessellifte) ausgesprochen schnell und modern. Die Umgebung und das Panorama überwältigend – man fährt hier ununterbrochen durch Postkarten-Motive. Beachte dass knapp 500hm auf den insgesamt 68km selbst bergauf zu kurbeln sind – also etwas anspruchsvoller als ein paar Stunden Trailpark fahren! Hier findest du meine GPX Datei zum nachfahren (ist aber aufgrund der guten Beschilderung gar nicht notwendig):
































