Der Granittrail – In 2 Tagen mit dem Mountainbike durch das Waldviertel
Der Granittrail ist grundsätzlich eine beschilderte Route die man in 3 Etappen absolviert. Wer jedoch auf 2 Etappen optimieren möchte, muss eine gewisse Grundkondition haben oder mit einer elektrischen (E-Bike) Unterstützung fahren. Wer die 3 Etappen macht, kann sehr gemütlich am ersten Tag von Gmünd nach Groß Gerungs radeln (ca. 60km und 900hm), am zweiten Tag von Groß Gerungs nach Bärnkopf (ca. 50km und 1300hm) und am dritten Tag von Bärnkopf nach Persenbeug (Ybbs an der Donau) (ca. 45km und 650hm).
Ich erzähle Euch aber von meiner 2 Tages Fahrt (zusammen mit meinem guten Freund Markus) von Gmünd nach Arbesbach, und von Arbesbach nach Persenbeug!
Granittrail Etappe 1: von Gmünd nach Arbesbach (ca. 80km und 1550hm)

Um Zeit und Kosten zu sparen, fahren wir am ersten Etappentag mit dem Zug von Wien nach Gmünd. Der Zug fährt ca. um 6:30 Uhr morgens von Wien (Franz-Josefs-Bahnhof) ab und kostet ca. 30 Euro. Den aktuellen Fahrplan findest du hier (ÖBB). Die Reise dauert knapp über 2 Stunden. Die Zeit kann man gut nutzen um fertig zu schlafen oder ein kleines Frühstück zu essen. Wir tun beides und kommen um etwa 8:30 Uhr im frostigen und windigen Gmünd an (Frost ist übertrieben, aber es ist schon ordentlich kalt hier). Wer nicht am selben Tag anreisen möchte kann eine Übernachtung in Gmünd andenken. Es gibt in der Umgebung Hotels und Pensionen in unterschiedlichen Preiskategorien.
Los gehts mit dem Granittrail!
Um 9 Uhr geht es dann los! Gmünd liegt nicht im Gebirge und es sind auch keine Hügel zu sehen. Die ersten 15 Kilometer geht es ohne nennenswerte Höhenmeter über gute Schotterwege und Feldwege bis nach Weitra.

Wir machen in diesem schönen und historisch bedeutenden Städtchen keine Pause, da wir erst 15km abgespult haben. Ab Weitra geht es nun ca. 300hm bergauf bis nach Oberwindhag. Danach auf und ab bis St. Martin wo wir bereits fast 30km geschafft haben. Hier geht es nun entlang der schönen alten Eisenbahn-Strecke (Waldviertelbahn), diese taucht dann wenige 100 Meter später, bei Steinbach, in die naturbelassenen Wälder des Waldviertels ein.

Wie man auf dem Bild sieht, gibt es in diesem Gebiet einige beschilderte Mountainbike Strecken zu entdecken. Ich bin davon schon ein paar gefahren, sollte ich mal darüber schreiben, findet ihr die Berichte auf diesem Blog. Aber grundsätzlich kann ich das Gebiet sehr empfehlen.

Die Wälder sind ausgesprochen schön und kontrastreich, überall liegen gigantische Steinformationen eingebettet in moosgesäumten Wurzelformationen. Fotografen kommen hier auf ihre Kosten – wir fahren allerdings zügig weiter um unsere Tagesziele (trocken) zu erreichen.
Bei diesem schönen Anblick vergisst man ganz dass es stetig bergauf geht. Vom erwähnten Steinbach bis zum Frauenwiesenteich sind es immerhin 300hm die teilweise auf Waldboden zu absolvieren sind. Aber der Anblick des beliebten Badeteichs macht die Strapazen wieder wett:

Vormittagsziel planmäßig erledigt!
Ursprünglich planten wir, hier unsere Mittagspause zu machen und nur eine Kleinigkeit beim Teichbuffet zu essen. Dieses hat an diesem Tag leider geschlossen, deshalb müssen wir ungefähr 5 Kilometer Forstweg bis Langschlag weiterradeln. In Langschlag machen wir dann unsere Mittagspause im Waldviertler-Hof (wie könnte es anders sein). Ein sehr freundlicher Wirt mit gutem Essen. Auf einer anderen Reise habe ich dort insgesamt 3 Nächte verbracht, auch die Zimmer und das Frühstück sind zu empfehlen!
Gut gestärkt geht es in den Nachmittag! Es stehen noch ca. 32 Kilometer auf der Agenda, das Wetter hält zum Glück obwohl es bereits seit Stunden nach Regen riecht. Am frühen Nachmittag kommt dann sogar die Sonne hervor. Zunächst über Feldwege und dann im Wald, geht es hinauf bis auf den Hochberg auf 860m Seehöhe. Von diesem Punkt geht es nun abwärts nach Thail und Groß Gerungs. Hier endet die erste Etappe für die 3-Tages Tour. Solltest du an eine 3-Tages Tour denken, findest du hier Hotels und Pensionen in der Nähe.

Als nächste Ortschaft erreichst du dann Freitzenschlag über eine kleine Strasse die als Wanderweg gekennzeichnet ist. Wenn du schon am Ende deiner Kräfte bist, kannst du hier ca. 7km abkürzen in dem du am Hauptplatz rechts abbiegst. Nach kurzer Zeit kreuzt der Weg nach links und rechts ab, wieder rechts halten (beim Hochstand) und du bist wieder am Granittrail. Es geht nun zwischen 700 und 800m Seehöhe immer auf und ab, vorbei am Fichtner (811m) und am Hochbühel (846m) bis uns der Granittrail kurz vor Arbesbach auf die B119 ausspuckt. Einen einzigen Kilometer gilt es noch weg zu kurbeln und du stehst vor der Burgruine Arbesbach:

Tagesetappenziel nach ca. 8 Stunden erreicht!
Du kannst auch auf die Ruine rauf gehen und den tollen Fernblick genießen. Vergiss aber nicht dir vorher den Schlüssel in der Bäckerei Huber zu holen, sonst stehst du nach gefühlten 300 Stiegen vor einer verschlossenen Tür (so wie wir).

Nach dem schönen Tagesausklang im Park vor der Burg, genießen wir noch ein deftiges Abendessen im Gasthaus Höfinger bevor wir in unserem Quartier, das Gästehaus Huber, einchecken. Wir werden sehr herzlich empfangen. Die Räder dürfen wir in die Garage stellen, das Zimmer ist wunderschön und groß. Zum Frühstück können wir (unter anderem) den prämierten Honig aus eigener Produktion verkosten – sehr beeindruckend!
Granittrail Etappe 2: von Arbesbach nach Ybbs an der Donau (ca. 78km und 1550hm)

Wie schon erwähnt, starten wir mit einem reichhaltigen Frühstück in den neuen Tag. Wir haben Glück, pünktlich zum Morgengrauen wechselt das Wetter von Starkregen in Sonnenschein. Um ca. 9:00 machen wir uns auf den Weg nach Ybbs an der Donau.
Arbesbach befindet sich auf ca. 800hm, die ersten 20km geht es Auf und Ab, tendenziell aber eher bergab auf ca. 700hm. Wir befinden uns meist am bekannten Bärentrail (ein bekannter Wanderpfad durch das Waldviertel). Ein paar kleinere Orte, wie Altmelon und Schönbach, werden durchfahren. Dazwischen geht es immer wieder auf kleinere Hügel wie den Steinberg (815m) oder den Luagalucka (905m) auf Forstwegen aber auch zeitweise auf einfachen Wanderwegen mit Waldboden. Sie Sonne färbt wunderbare Kontraste in feuchte Wiesen, Blätter und Wälder. Überall findet man riesige Felsen & Wackelsteine.

Kurz nach Schönbach (ca. Kilometer 20) endet das Auf und Ab im Weinsberger Wald mit der Querung des Prinzbachs. An diesem Tag hat das Bächlein einen Wasserstand von ungefähr 10 cm, so können wir ohne nennenswerte Probleme durch den Bach biken.
Ab hier geht es ca. 300hm an Kreuzteich und Dürnbergteich vorbei bis Bärnkopf bergauf. Beim Dürnbergteich (nach ca. 25km) machen wir eine kurze Rast und beobachten die fleißigen Fischer in ihren Booten. Kurz darauf erreichen wir Bärnkopf, weiterhin fahren wir auf gut befestigten Forstwegen.
Zwischen Bächen und Schwammerln
Nach Bärnkopf verläuft er Granittrail auf wunderschönen Waldwegen (wie mehrere andere beschilderte MTB Strecken wie die Ysperklamm Runde). Nach einer kurzen Waldabfahrt (allerdings auf einer neu asphaltierten Straße), biegen wir kurz vorm Örtchen Saggraben nach rechts in die tiefsten Wälder ein. Wir fahren mehrere Kilometer im dichten Wald entlang des Prinzbachs auf einem guten Forstweg bis zum Stifterteich.

Bis Kilometer 46 bleiben wir auf 800hm und höher. Wir queren zwischen abwechslungsreichen Landschaften (Wälder, Wiesen und Felder) immer wieder kleine Ortschaften wie Gutenbrunn bis der Waldweg abrupt steil nach unten Richtung Pisching verläuft. Hier ist Vorsicht geboten da der Untergrund stellenweise mit losem Schotter gesäumt ist.
Wir befinden uns nun auf 500hm und fahren über Feldwege und Radwege weiter bis Ysper wo wir unsere Mittagspause verbringen möchten. Leider finden wir in Ysper kein geöffnetes Wirtshaus. Einen halben Kilometer weiter, in Altenmarkt, kehren wir schließlich im Hotel zur Linde ein. Das Mittagsmenü war sehr gut, der Preis völlig in Ordnung. Gut gestärkt machen wir uns auf zum letzten Anstieg des Tages!
Die letzte Teiletappe nach Ybbs
Der letzte “Hügel” zwischen uns und Ybbs ist der Sulzberg mit 852m. Kurz nach Altenmarkt beginnt ein ausgesprochen steiler unbefahrbarer Weg der kerzengerade bis zu einem Forstweg führt. Wir absolvieren schiebend ungefähr 80hm. Danach gilt es noch 3 Serpentinen am Forstweg zu meistern bis wir den höchsten Punkt, die kleine Siedlung Neuwaldhäusl auf ca. 800m erreichen. Schweißgebadet empfängt uns ein bellender auf uns zu laufender Hund. Glücklicherweise geht es ab hier abwärts und wir können den Hund gerade noch abhängen. Wir befinden uns nun kurz auf dem Lebensweg, danach auf dem Eisenwurzenweg. Kurz nach dem Feldmüllerstall, endet die Forststraße und wir tauchen in eine finale Waldabfahrt (ca. 220hm) nach Hofamt Priel ein.
Kurz befahren wir die B35 bevor wir über Wiesen und Felder die letzten Meter bis nach Persenbeug fahren. Eine schöne Aussicht auf Ybbs an der Donau soll eine der letzten Impressionen dieser 2 Tagestour werden.

Nun fahren wir noch gemütlich über die Donaubrücke (Kraftwerk) hinüber nach Ybbs. Entlang des Donauradwegs sind wir in wenigen Minuten in Ybbs angekommen. Geschafft, nach 78km endet auch der zweite Tag ohne Verletzungen und ohne Regen!
Wir fahren noch am selben Tag mit dem Zug nach Wien Hauptbahnhof. Der Ybbser Bahnhof liegt ein wenig außerhalb – hier solltet ihr zur Sicherheit 20 Minuten Zeit einplanen. Natürlich kann man auch noch eine Nacht in Ybbs anhängen um den Abschluss des Granittrails entsprechend zu feiern. Hotels und Pensionen findet man in allen Preiskategorien.
Fazit
Der Granittrails ist eine technisch einfache Mountainbike Strecke die problemlos mit dem Hardtail Mountainbike zu meistern ist. Genauso wäre ein E-Bike eine Möglichkeit, da laufend Ortschaften mit Elektrizität auf der Strecke vorhanden sind. Es gib nur wenige Abfahrten am Waldboden die ein gewisses Maß an Vorsicht und Erfahrung voraussetzen. Meiner Meinung nach sind diese Schlüsselstellen aber kein Hindernis für Einsteiger, zur Not schiebt man diese kurzen Abschnitte. Insgesamt ist die Streckenlänge ca. 160km. Es müssen ca. 3000hm absolviert werden.
Für einen einzigen Tag ist das schon sportlich, es empfiehlt sich aber, das Ganze auf mindestens 2 Tage aufzuteilen. Ist man eher ein Genussfahrer der gerne ausgiebige Pausen macht, die Landschaft genießen mag, oder vielleicht am Abend noch etwas unternehmen möchte, sollte man eher an eine Aufteilung auf 3 Etappen denken. Organisierten Gepäck-Transfer gibt es nicht, also am besten selber alles dabei haben, es sind im schlimmsten Fall 2 Zwischenübernachtungen – das sollte mit einem 30l Rucksack machbar sein.
Ich kann die Strecke durchaus empfehlen, die dichten und unberührten Wälder sind sehr schön, die Strecke abwechslungsreich. Es geht meist Auf und Ab ohne längere Anstiege – also sicherlich auch eine gute Vorbereitung auf die Saison in den Alpen.
Ich hoffe, ich konnte dir einen guten Überblick über den Granittrail verschaffen. Freue mich auf dein Feedback und wünsche dir viel Spaß beim Planen und Erleben deiner eigenen Fahrt auf dem Granittrail!






Hi Klaus, danke für die tolle Zusammenfassung, wir haben die Tour letzte Woche genauso gemacht mit der einen Zwischenübernachtung! Technisch war alles wie beschrieben – also auch von mir erfolgreich bewältigt 😉 Grüße aus Leopoldsdorf!
Vielen Dank für die anschauliche Beschreibung der Tour, die mich motiviert hat, es auch zu probieren. Ich habe die Strecke allerdings auf drei Tage aufgeteilt und es sehr genossen. Soeben bin ich zurück in Wien gelandet. Liebe Grüße und ich freue mich über mehrere Tourenbeschreibungen!
Danke für dein tolles Feedback! Es freut mich, dass dir meine Beschreibung des Granittrails geholfen hat und dass deine Tour ein Erfolg war! Weitere Tourenbeschreibungen sind in Arbeit! Liebe Grüße Klaus
Hallo, spricht etwas dagegen die Route umzukehren und von Süd nach Nord zu fahren? Wäre für mich von Salzburg kommend logistisch viel einfacher. LG Josef
Hallo Josef, danke dass du dir meinen Beitrag zum Granittrail angesehen hast! Ich hoffe ich konnte ein paar nette Impressionen und Tipps weitergeben. Grundsätzlich denke ich spricht nichts dagegen in die andere Richtung zu fahren. Ich würde nur dringend empfehlen immer genau aufs Navi zu schauen, da die Strecke nur in die andere Richtung beschildert ist und “verkehrt Fahren” eine gewisse zusätzliche Aufmerksamkeit bedarf. Aber ansonsten wünsche ich viel Spaß – ab in den Norden! 😉