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Zugegeben, die Überschrift ist ziemlich reißerisch, aber je nach Ausgangssituation kann schnell einmal ein ganzer Kilo Gewicht mit einem Wechsel auf Tubeless Reifen erreicht werden! Oft sind bei Mountainbikes günstige (aber auch schwere) Drahtreifen verbaut. Kombiniere den Tubeless Umbau mit einem Upgrade deiner Reifen und im Nu ist dein Bike spürbar leichter, in meinem Fall sind es sogar knapp 1,2 Kilo! Aber nicht nur das Gewicht wird optimiert. Der Wechsel auf schlauchlose Reifen bringt viele weitere Vorteile. In diesem Beitrag erkläre ich welche Vorteile Tubeless bring und wann es für dich Sinn macht. Danach erfährst du Schritt für Schritt, wie du deine Reifen selbst umrüstest und dabei viel Geld sparen kannst. Ich bin mir sicher, du wirst deinem Schlauch nicht nachweinen und vom Ergebnis des Umbaus begeistert sein!

Wie funktionieren schlauchlose Reifen (Tubeless)?

Das Prinzip ist schnell erklärt. Tubeless Reifen für Mountainbikes funktionieren genau so wie jeder Autoreifen. Also der Reifen kommt direkt auf die Felge, ohne Schlauch. Nachdem der MTB-Reifen weicher und dünner aufgebaut ist, benötigt es eine Flüssigkeit, die Dichtmilch, zwischen Felge und Reifen. Diese Dichtmilch dichtet Undichtheiten, logisch ;-). Also kleine Löcher wenn man sich einen Stachel oder spitzen Stein einfährt. Oft ist die Dichtmilch auch wichtig um den dichten Kontakt zwischen Reifen und Felgenhorn zu bilden.

Was ist der Vorteil von Tubeless?

Es ist nicht nur einer. Es sind mehrere Vorteile!

Allen voran sparst du sehr effektiv und preisgünstig Gewicht. Ein Drahtmantel hat schnell mal 700-800g, der dazugehörige Schlauch ca. 150g. Optimierst du auf einen Tubeless-Mantel (Faltreifen) samt Tubeless Umbau (also statt dem Schlauch auf eine Flüssigkeit (Milch) innerhalb des Mantels), dann sparst du schnell mal einen Kilo Gewicht – das ist eine ganze Menge die sehr kostengünstig zu Optimieren ist.

Weiters ist eine erhöhte Pannensicherheit gegeben, da kleine Löcher im Mantel sofort durch die Dichtmilch verschlossen werden. Oft hört man bei einem Platten nur ein kurzes Zischen und innerhalb weniger Momente ist das Loch wieder Dicht – man muss nicht mal absteigen ;-).

Der dritte große Vorteil ist der optimierte Abrollwiderstand. Nachdem dein Tubeless Reifen weniger Schwungmasse (Gewicht) hat, reduziert sich auch der Abrollwiderstand, also das MTB fährt mit weniger Kurbel-Watt in der selben Geschwindigkeit. Das ist nicht unbedingt spürbar, aber wenn du eine längere Strecke einmal mit Schlauch und einmal Tubeless mit der selben Leistung fährt, wirst du feststellen, dass Tubeless effizienzsteigernd ist.

Und der letzte wichtige Punkt: du kannst mit viel weniger Reifendruck fahren. Tubeless fährst du problemlos mit 1,6 Bar wenn du willst (das geht mit Schlauch nicht). Das ist ein Riesenvorteil auf Trails! Durch die relativ weichen Reifen bringst du mehr Kontaktfläche auf den Untergrund, das bedeutet mehr Grip und Sicherheit im Gelände. (Auf Straßen oder Schotter empfehle ich aber trotzdem 1,8 bis 2 Bar zu tanken).

Wann lohnt sich Tubeless?

Eigentlich immer! Mir ist keine Situation bekannt wo sich Tubeless Bereifung nicht lohnt.

Schlauchlos macht dein Bike immer leichter, am meisten merkst du das natürlich wenn du viel Bergauf fährst.

Schlauchlos macht dein Bike immer Pannensicherer, am meisten merkst du das wenn du viel Bergab fährst.

Und schlauchlos macht dein Bike “leicht-rollender”, am meisten merkst du das wenn du viel im Flachen unterwegs bist.

Also ist der Wechsel auf Tubeless immer eine Verbesserung! Wenn der nächste Reifenwechsel ansteht, empfehle ich zumindest darüber nachzudenken!

Mountainbike auf Tubeless Reifen umrüsten

Ich erkläre dir jetzt Schritt für Schritt was zu tun ist, auf was du achten solltest und welche Materialien du benötigst.

Ich verbaue heute, nach einer wunderschönen Wintersaison, auf meinem Scott Scale 900 RC, neue Schwalbe Reifen um einerseits Tubeless unterwegs zu sein, und andererseits mich von meinen schweren Schwalbe Ice Breaker (bis zum nächsten Winter) zu trennen.

Bei meinen neuen Reifen (Schwalbe Racing Ray und Schwalbe Racing Ralph, Achtung die Links gehen auf 29×2,25 Zoll Reifen, ggf. brauchst du eine andere Dimension) handelt es sich um eine sehr beliebte Kombination wobei der Schwalbe Racing Ralph hinten montiert wird und der Schwalbe Racing Ray vorne.

Hauptsächlich wird damit versucht die Bedürfnisse die man ans Vorderrad (Traktion in Kurven) und ans Hinterrad (Bodenhaftung beim Antrieb) hat, zu optimieren. Diese Reifen haben sehr dünne Seitenwände, aber mit der ADDIX Technologie trotzdem recht gute Ausfallsicherheit. Schwalbe bietet so ziemlich jeden Reifen für verschiedene Bedürfnisse an (Racing, Downhill, etc.), bei Schwalbe ADDIX erfährst du genaue Details.

Zunächst kommen die alten Reifen mal runter von der Felge, das geschieht mit herkömmlichen Abziehern die jeder in seiner/ihrer Satteltasche haben sollte. Bei modernen Felgen ist bereits ein dichtes Felgenband verbaut. Felgen mit dichtem Felgenband sind in der Regel mit “Tubeless Ready” gekennzeichnet. Felgen die noch nicht “Ready” sind, haben meistens ein stoff- oder gewebeähnliches Band um den Schlauch vor der der Speichenbefestigung zu schützen. Wenn du dir nicht sicher bist, dann raus mit dem Band und ein neues Tubeless Felgenband rein. Dazu empfehle ich die Felgenbänder von Schwalbe oder Felgenbänder von DT Swiss, es gibt verschieden Breiten. Das DT Swiss Felgenband ist angeblich universal und passt nahezu überall, was ich nicht ganz glaube. Allerdings hat es bei meinen Felgen immer perfekt gepasst. Im Grunde ist es nur wichtig, dass das Felgenband das Felgenbett gut abdichtet. Am besten mit einem Maßband nachmessen, oder auf der Webseite des Felgenherstellers nachsehen welche Felgenbett-Breite deine Felge hat.

 

So wird das Felgenband angebracht

Zunächst muss die Felge vom alten Felgenband befreit werden. Kleberückstände und Verschmutzungen so gut wie geht abputzen. Sollte das Felgenbett aus irgendeinem Grund fettig sein, bitte mit Fettlöser behandeln (dabei tut es normalerweise ein Glasreiniger und ein Microfasertuch).

Das Ende des neuen Felgenbandes in 45 Grad abschneiden. Beginne ca. 5cm vor der Ventildurchführung in der Felge mit dem Kleben. Immer ein Stück von der Rolle abziehen und mit dem Daumen gut in das Felgenbett drücken. Vermeide Luftbläschen und Wölbungen im Klebeband. Es sollte schön glatt und gerade in der Felge sitzen und die Speichendurchführungen sauber abdichten. Wenn du wieder bei der Stelle bist wo du begonnen hast zu kleben, dann schau, dass sich das Felgenband ca. 10-15cm überlappt. Das heißt, schneide es dann (wieder in 45 Grad) so ab, dass es auf der anderen Seite der Ventildurchführung endet.

Nun schneide vorsichtig mit einem scharfen Stanley Messer ein kleines Kreuz ins Felgenband, genau dort wo sich die Ventildurchführung befindet. Der erste Schritt ist geschafft!

Montage des Tubeless-Ventils

Bei herkömmlichen Schlauch-Reifen, befindet sich das Ventil direkt am Schlauch. Man muss es beim Schlauchwechsel nur durch die Ventildurchführung der Felge stecken. Bei Tubeless ist das anders – weil du ja keinen Schlauch verbaust. Du benötigst spezielle Tubeless Ventile.

Auch bei den Ventilen gibt es viele Hersteller, und die meisten tun sicherlich was sie sollen. Ich empfehle die Tubeless Ventile von Schwalbe. Es gibt einerseits verschiedene Längen, wobei die 40mm eigentlich auf jedes Rad passen, da die Felgenbetttiefe meist sehr ähnlich ist. Andererseits muss man darauf achten die Ventile für den Ventilstandard zu kaufen der für die Felge geeignet ist. Die Tubeless Ventile sind allesamt Presta Ventile – die sind in den meisten Fällen auch auf deinem MTB verbaut. Solltest du jedoch auf deinem Bike ein Autoventil verbaut haben ist das kein Problem, mit den Dichtringen am neuen Tubeless Ventil bekommst du die Durchführung an deiner Felge dicht.

Nachdem du das Ventil durchgesteckt und auf der Felgeninnenseite mit der Mutter fest gedreht hast, sollte das ganze handfest angezogen werden. Dazu drücke fest auf das Ventil und ziehe es so gut es geht auf der anderen Seite mit der Hand fest. Es sollte dann kein spiel mehr haben. Bitte benutze keine Zange und zieh nicht wie ein Verrückter fest – du beschädigst sonst deine Felge!

Nachdem das Ventil fest in der Felge sitzt, nimmst du den kleinen Ventilkopf-Schlüssel zur Hand der bei den Ventilen dabei war. Damit drehst du den Ventilkopf runter. Was Bleibt, ist der dickere Ventilhals, hier kommt gleich die wichtigste Zutat hinein, die Dichtmilch!

Reifen mit Dichtmilch befüllen

Ich verwende am liebsten die Dichtmilch von Schwalbe, dessen Name ist Doc Blue. Es gibt natürlich andere Dichtmilch Anbieter die sicherlich auch gute Milch verkaufen. Ich denke mir dann immer, ich fahre mit Schwalbe Reifen, habe ein Schwalbe Ventil und meist ein Schwalbe Dichtband. Die Dichtmilch von Schwalbe, Doc Blue, ist sicherlich auf die anderen Schwalbe Komponenten abgestimmt. Also wenn ich die Wahl habe, dann schaue ich dass alles von einem Hersteller kommt. Ich montiere ja auch keinen VW Auspuff auf meinen Audi, selbst wenn er passen würde.

Bei der Schwalbe Milch, Doc Blue, ist eine kleine Füllflasche dabei. In diese passen genau 60ml und das ist die Menge die du pro Rad benötigst. Also zunächst mal die große Flasche gut schütteln und dann die kleine 60ml Flasche komplett auffüllen. Die Füllflasche passt genau in den Ventilhals, also einfach andocken und den gesamten Inhalt durch das Ventil in den Reifen drücken. 

Jetzt sagen manche Leute dass man so das Ventil verklebt und man soll doch lieber direkt beim Mantel die Milch reintun und dann den Mantel aufs Felgenhorn heben. Sicher, das kann man auch so machen, nur besteht zum einen die Gefahr einer Sauerei und zum anderen verklebt hier garnichts. Besonders nicht bei den Schwalbe Ventilen da diese, so wie die Flasche, dafür ausgerichtet sind durchs Ventil befüllt zu werden.

Luft in den Reifen pumpen

Die Überschrift klingt sehr banal und nicht erwähnenswert – ist es aber! Du musst dir vor Augen halten, dass wir nicht einen Schlauch aufpumpen, der ja, wie eine Luftmatratze, ein in sich geschlossenes System ist. Wenn du Luft durch das Ventil schickst, kommt diese wieder zwischen Felge und Reifen raus. Also muss man schneller Pumpen als die Luft wieder entweichen kann. Das ist mit einer handelsüblichen Luftpumpe unmöglich. Du benötigst dazu einen Kompressor. Entweder deinen eignen, oder beispielsweise den von der nächsten Tankstelle.

Ich habe mich (nach meinem ersten Versuch ohne Kompressor) für einen Koffer-Kompressor von Einhell entschieden. Einerseits weil ich ihn problemlos mitnehmen kann, andererseits weil er eine günstige Alternative zu Kessel-Kompressoren ist. Die Modelle mit Tank machen natürlich mehr her, aber das ist für unsere Zwecke nicht notwendig. Den Kompressor brauchst du übrigens nicht nur für den Tubeless Umbau und dann nie wieder. Du kannst ihn für Luftmatratzen, Luftballone und vieles mehr benutzen, selbst wenn es nur das entstauben deiner Autobelüftung ist.

Du kannst nun den Kompressor ohne Aufsatz in den Ventilhals stecken. Kurz Luft reinlassen und du merkst gleich dass die Luft gut im Reifen drinnen bleibt. Sobald der Reifen gut mit Luft gefüllt ist, halte den Daumen auf den Ventilhals. Jetzt schraubst du schnell den Ventilkopf rein und ziehst ihn mit dem Ventilschlüssel fest. Dabei geht wieder viel Luft aus dem Reifen. Das macht nichts, es ging bei der Kompressor Unterstützung nur darum den Mantel ins Felgenhorn springen zu lassen – das haben wir jetzt geschafft!

Jetzt Pumpe ich den Reifen noch mit meiner alten, rostigen Fahrradpumpe auf. Die habe ich von meinem Opa geerbt. Solange die Pumpe funktioniert, werde ich sie nicht ersetzen. Danach liebäugle ich mit dieser Doppel-Zylinder Pumpe wegen dem Doppel Zylinder und der guten Bewertungen. Wichtig ist die Anzeige des Drucks, da wir den Reifen mal auf 4 Bar aufpumpen. Das ist wichtig, damit der Reifen überall auf das Felgenhorn springen kann. Man hört dabei knalle die an das Reifenaufziehen in der Autowerkstatt Erinnern. danach lass wieder Luft raus, und Pendel dich irgendwo bei 2 Bar ein.

Jetzt nimm nochmal den Reifen in die Hände und schwenke ihn wie einen Hula Hoop Reifen. Dadurch stellst du sicher, dass die Milch an alle Stellen des Reifens kommt und somit eventuelle luftdurchlässige Stellen zwischen Felge und Reifen abdichtet.

Jetzt die Räder noch ans Mountainbike montieren und fertig ist der Umbau! Gratuliere! Jetzt ist es optimal wenn du noch eine kurze Runde drehst. Damit verteilst du die Milch noch besser im Reifen und förderst damit die Dichtheit. Beim Abwiegen nach dem Umrüsten wird deutlich dass sich der Aufwand gelohnt hat. Ich habe um wenig Geld ganze 1,2 Kilo eingespart und das Gewicht des Mountainbikes um satte 11% verringert. Zum Vergleich: rüstest du eine Deore Schaltgruppe auf eine XTR Schaltgruppe um, kostet dich das Ganze (ohne Umbau) ungefähr 800 Euro – dabei sparst du 250g. Mit dem Umbau auf Tubeless erhältst du eine Gewichtsreduktion von einem ganzen Kilo für ungefähr 50 Euro (Milch, Ventile, Dichtungsband – die neuen Reifen brauchst du sowieso).

Einkaufsliste für deinen Tubeless Umbau

Hier nochmals zusammengefasst alle Teile die ich bei meinem Schlauchlos-Umbau verwendet habe:

Umrüstung von Schlauch auf Tubeless – Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, dass die Vorteile des Tubeless Umbaus mehr als überwiegen. Spätestens wenn die Neuanschaffung abgefahrener Reifen ansteht, solltest du in Erwägung ziehen dein Setup zu optimieren. Jeder der Reifen und Schläuche wechseln kann, wird auch mit dem Tubeless Umbau zurecht kommen. Dein Mountainbike wird für wenig Geld um vieles leichter! Gewicht optimieren beginnt mit dem Ausbau der Schläuche, da hier am meisten Gewicht eingespart werden kann. 

Es ist nicht schwer, befolge die Anleitung, und im nu wirst auch du mit einem Kilo weniger unterm Sattel unterwegs sein!

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